Chronik des Spielmannszuges "Frei weg" Hambuch 1895

Die Anfänge des Spielmannszuges gehen auf das Jahr 1895 zurück. In diesem Jahr ging erstmals ein Festzug mit Musik zum Schützenfest der St. Sebastianus Schützenbruderschaft, die ein Jahr zuvor gegründet wurde.
Vier junge Männer, die in ihrer aktiven Militärzeit als Trommler und Pfeifer ausgebildet worden waren, wurden von der Schützenbruderschaft mit Instrumenten ausgestattet und begleiteten die Schützen von nun an zum Schützenplatz in den Hambucher Wald.
Die jungen Spielleute waren Peter Schenk aus Zettingen und Peter Mieden an den Trommeln sowie Anton Mieden und Johann Anton Wilhelmy, genannt „Schetzhannes Duntje“, an den Flöten. Sie waren die Gründer des Tambourcorps „Frei Weg 1895“ Hambuch. Anton Wilhelmy war bis ins hohe Alter Tambourmajor.
Erste Musikstücke der „Homeje Kneppelmusik“ waren der „Torgauer-Marsch“ und der „Hohenfriedberger Marsch“. Noch vor dem 1. Weltkrieg wurde der Verein geschlossen.

Dank Anton Pauly fanden sich im Jahr 1923 einige Männer zusammen, um den Verein wieder aufleben zu lassen. Von nun an begleitete das Tambourcorps wieder alle Festzüge im Dorf. So gehörte es auch zur Tradition, dass an Kirmes der Pastor von der Schützenbruderschaft und dem Tambourcorps vor dem Hochamt im Pfarrhaus abgeholt wurde und von dort mit Musik zur Kirche geleitet wurde.
Dieser Brauch wurde 1935 von den Nationalsozialisten durch staatliche Verfügung, wie es im offiziellen Sprachgebrauch hieß, verboten. Nicht nur das Tambourcorps, sondern auch die kirchlichen Junggesellenvereine und die Schützenbruderschaft mussten ihr Vereinsleben ruhen lassen.

Im Winter des Jahres 1949 wurde die „Homeje Kneppelmusik“ wieder ins Leben gerufen. 16 junge Männer waren sofort mit Begeisterung dabei. Nachdem die noch vorhandenen Instrumente eingesammelt waren und die Trommeln notdürftig repariert waren, wurde jeden Abend fleißig geprobt.
Zwei alte Trommler, die Brüder Anton und Franz Wilhelmy, brachten Johann Henzgen, Peter Henzgen, Alfred Klasen und Johann Pauli das Wirbeln bei – und das wohlgemerkt nicht auf der Trommel, sondern auf einem Küchentisch! Die ersten Flötisten waren Paul Henzgen, Josef Wilhelmy, Josef Ternes, Walter Werking, Ludwig Henzgen, Johann Hetger, Aloys Lamprich und Heinrich Michels.
Paukenschläger wurde Karl Simons und die Becken übernahm Manfred Gansen.
Als Stabführer konnte Anton Wilhelmy gewonnen werden, der bereits 1895 Mitbegründer des Tambourcorps war. Auch im hohen Alter von über 70 Jahren brachte er das Marschieren und den Parademarsch noch mit Elan bei. Die jungen Musiker schauten mit Bewunderung, was „Schetzhannes Duntje“ noch zu bieten hatte.
Da keine Noten mehr vorhanden waren, gestaltete sich das Einüben der Flötisten als äußerst mühselig. Irgendwo hatte man noch eine Schallplatte vom „Torgauer-Marsch“ auftreiben können, die auf einem Grammophon immer wieder abgespielt und in Noten gesetzt wurde.

Bereits im Mai 1950 waren die Flötisten und Trommler soweit, dass sie den „Torgauer Marsch“, „Preußens Gloria“ und den „Lockmarsch“ beherrschten.
Im selben Monat kam Küster Anton Pauly aus russischer Kriegsgefangenschaft zurück. Er hatte den Verein schon in den 20-er Jahren eingeübt und war auch jetzt bereit, zu helfen und selbst mitzuspielen.
So konnte am Kirmesmorgen des Jahres 1950 erstmals wieder ein Zug mit Musik durchs Dorf ziehen, um den Pastor abzuholen und in die Kirche zu geleiten.
Beim ersten Wettstreit in der näheren Umgebung, der im Oktober 1951 in Kaifenheim stattfand, konnte das Tambourcorps Hambuch nicht nur bereits in der A-Klasse antreten, sondern war hier auch noch sehr erfolgreich. Im Chorspiel und Festzug wurde jeweils der 1. Platz belegt.
Auch Hambuch war Austragungsort großer Wettstreite. In den Jahren 1968 und 1970 fanden zwei große Tambour- und Fanfarenwettstreite im Dorf statt, an denen jeweils 30 bis 40 Vereine aus dem gesamten Bundesgebiet teilnahmen. Höhepunkt dieser Veranstaltungen waren die farbenprächtigen Festzüge.
Dementsprechend groß war die Resonanz bei der Bevölkerung.

Einen großen Umbruch erlebte der Verein im Jahr 1978. Die „Alte Garde“ – fast alle Männer waren bereits im Alter von 50 bis 60 Jahren – setzte sich in den wohlverdienten musikalischen Ruhestand. Immerhin hatte ein Großteil von ihnen bereits seit 1950 treu für die Musik in Hambuch gesorgt. Ob nun an Kirmes, Schützenfesten, Fastnachtsumzügen – immer war man gerne bereit sich an der musikalischen Gestaltung zu beteiligen.
Mangels Nachwuchs war der Fortbestand des Spielmannszuges zu jener Zeit stark gefährdet. Die Jugend schloss sich lieber dem im Jahr 1963 gegründeten Fanfarenzug an.
Es fand sich jedoch eine Gruppe von ca. 20 Jungen und Mädchen, alle noch im Volksschulalter, die weiter für den Bestand der traditionsreichen „Homeje Kneppelmusik“ sorgen wollte.
Stabführer wurde der erst 15-jährige Stefan Pauli, der auch heute noch die Übungsstunden für Trommler und Flötisten leitet.
Im Mai 1980 konnte man in Binningen erstmals wieder an einem Wettstreit teilnehmen. Von nun an stieg das Niveau von Jahr zu Jahr, so dass man bei den Wettstreiten in der Umgebung beachtliche Erfolge feiern konnte.
Als Höhepunkte können die Teilnahmen an den Umzügen anlässlich der Rheinland-Pfalz-Tage 1984 in Koblenz und 1985 in Trier genannt werden.

Im Jahr 1985 stand das 90-jährige Bestehen des Spielmannszuges an. Aus diesem Anlass fand ein großer Wettstreit für Spielmanns- und Fanfarenzüge statt. Beim Festkommers trat auch die „Alte Garde“ nach langjähriger Pause wieder auf. Die vorgetragenen Musikstücke erhielten den verdienten Applaus des Publikums.
Ende der 80-er Jahre fand ebenso wie bereits 1978 ein großer Umbruch statt. Es kehrten so viele Mitglieder dem Verein den Rücken zu, dass dieser kurz vor Einstellung des Spielbetriebs stand.
Wiederum war es einigen Idealisten, die durch unermüdlichen Einsatz dem Verein die Treue hielten, zu verdanken, dass der Verein nicht in der Versenkung verschwunden ist. Zudem wurden einige Nachwuchskräfte gefunden, die in dieser schwierigen Zeit ihren Beitrag für den Fortbestand des Spielmannszuges leisteten.

Im Jahr 1990 feierte man in der Sport- und Freizeithalle sein 95-jähriges Bestehen. Der vom Musikverein Gevenich und dem Spielmannszug Müden vorgetragene „Große Zapfenstreich“ war der Höhepunkt dieses Festes.
Noch größer wurde 1995 das 100-jährige Vereinsjubiläum gefeiert. Am Freitagabend fand im Festzelt auf dem Dorfplatz der „Homeje Owend“ statt. Während des Rückblicks auf die 100-jährige Vereinsgeschichte spielten verschiedene Generationen des Spielmannszuges auf, darunter auch die „Alte Garde“ des Vereins, viele weitere inaktive und ehemalige Mitglieder sowie der noch in Ausbildung befindliche Nachwuchs. Anschließend präsentierten die Mitglieder des Vereins einen bunten Abend, wie ihn viele Hambucher wohl noch nicht gesehen hatten. Die zahlreichen Tänze, Gesangseinlagen und viele weitere humoristische Aufführungen werden wohl der ganzen Dorfbevölkerung in guter Erinnerung bleiben.
An den beiden darauffolgenden Tagen wurden die Festbesucher durch zahlreiche Gastvereine unterhalten. Weitere Programmpunkte waren der Zapfenstreich sowie ein großer Festumzug durchs Dorf.
Weitere Musikfeste fanden in den Jahren 2000, wiederum im Festzelt auf dem Dorfplatz, sowie 2005 in der Sport- und Freizeithalle statt.

Im Jahr 1999 nahm der Verein am Festzug anlässlich des Bundesfestes der Historischen Deutschen Schützen in Mayen teil. Musikvereine und Schützenvereine mit tollen Uniformen aus ganz Deutschland nahmen an diesem Spektakel teil. Aufgrund des großen Publikumsandrangs war dies für uns ein Erlebnis der besonderen Art.

1996 übernahm der Verein eine Patenschaft für das Kind Songa Odongo Neville aus Uganda. Auch heute noch spenden die Mitglieder ihren Mitgliedsbeitrag zugunsten eines Kinderhilfswerkes.

Seit 1995 besucht man regelmäßig das Verbandsgemeindekonzert der Spielmannszüge der Verbandsgemeinde Kaisersesch, welches in den Jahren 1997 und 2002 in der Sport- und Freizeithalle Hambuch stattfand. Anlässlich dieses Ereignisses werden alljährlich neue Stücke eingeübt, die häufig bei diesem Konzert zum ersten Mal aufgeführt werden.

Der Proberaum für die wöchentlichen Übungsstunden musste mehrmals gewechselt werden. So wurde seit 1978 im Saal des Gasthauses „Zur Erholung“, im Pfarrsaal sowie in den Räumlichkeiten der “Alten Schule“ geprobt.
Der Spielmannszug ist für das Dorf ein sehr wichtiger Verein, da er bei vielen örtlichen Veranstaltungen wie z.B. Fastnachtsumzug, Maifest, Kirmes, Schützenfeste, Martinsumzug, Altentag, Ständchen anlässlich eines Jubiläums, musikalische Gestaltung der Christmette vertreten ist.
Immer steht er der Ortsgemeinde und den anderen Dorfvereinen zur Verfügung, wenn es darum geht, eine Festlichkeit mit Musik zu umrahmen.
Dabei ist der Spielmannszug nicht nur bei örtlichen Veranstaltungen, sondern auch bei vielen Festen in den benachbarten Ortschaften zugegen. So wurden bzw. werden heute noch die Fastnachtsumzüge in Kottenheim, Illerich und Gamlen, das Junggesellenfest in Zettingen und das Bezirksfest des Schützenbundes Maria Laach musikalisch mitgestaltet. Zudem wurden viele Freundschaftstreffen befreundeter Gastvereine besucht.

Dass in die heutige, schnelllebige, durch Medien und Computerwelt gezeichnete Zeit noch ein Spielmannszug die Menschen mit seiner Musik erfreut, ist neben einigen Idealisten auch den seit 1990 ausgebildeten Jugendlichen zu verdanken. Sie sind eine feste Größe im Verein und durch die vielen Veranstaltungen abseits des Musizierens in den Verein integriert worden.
Auf Kameradschaft und Geselligkeit wird allergrößten Wert gelegt. So finden regelmäßig Vereinsfahrten zu Vergnügungsparks (z.B. Holiday-Park, Movie-Park, Six-Flags) statt. Auch unsere Übungs- und Urlaubswochenenden im „Haus Eifelperle“ in Lutzerath, der Besuch des Jugenderholungslagers Blankenrath, ein Zeltlager an der „Göbelsmühle“, Sport- und Spieltreffs, Schlittschuhlaufen im Eislaufcenter Neuwied sowie Grillnachmittage erfreuen sich großer Beliebtheit.
Die Ausbildung der seit März 2006 im Verein befindlichen 26 Kinder und Jugendlichen im Alter von sechs bis elf Jahren stellt eine ganz besondere Herausforderung dar. Es bleibt zu hoffen, dass möglichst viele Kinder Spaß an unserer Musik haben und dem Verein eine lange Zeit die Treue halten.

Es ist zu wünschen, dass sich alle Mitglieder so aktiv am Vereinsleben beteiligen, dass ein Fortbestand des Spielmannszuges Hambuch gewährleistet ist, welches wohl auch im Interesse der Ortsgemeinde und der anderen Dorfvereine wäre.